restic, BorgBackup oder Proxmox Backup Server im Vergleich
Drei Backup-Werkzeuge im direkten Vergleich: Datenmodell, Ziele, Verschlüsselung, Append-only und Restore-Komfort – mit klarer Entscheidungshilfe.
7 Min. LesezeitReini
Die Frage „restic oder Borg?“ wird in Foren zuverlässig zur Glaubensdebatte. Das liegt daran, dass beide Werkzeuge dasselbe Grundprinzip verwenden und sich genau in den Punkten unterscheiden, die je nach Umgebung völlig unterschiedlich wichtig sind.
Dieser Artikel vergleicht die drei Werkzeuge, die im Homelab-Umfeld tatsächlich relevant sind – und nennt am Ende eine Empfehlung pro Anwendungsfall statt eines Siegers.
Er gehört zum Cluster rund um die 3-2-1-Backup-Strategie.
Die kurze Antwort
| Deine Situation | Werkzeug |
|---|---|
| Du sicherst Proxmox-VMs und -Container | PBS |
| Du sicherst Dateien und willst beliebige Cloud-Ziele | restic |
| Du sicherst Dateien auf einen eigenen Server per SSH | Borg |
| Du sicherst Windows-Systeme | restic (Borg fällt aus) |
| Du willst eine Lösung für alles | gibt es nicht – Kombination ist der Normalfall |
Die letzte Zeile ist die ehrlichste. In der Praxis läuft in vielen Umgebungen PBS für die virtuellen Maschinen und zusätzlich restic oder Borg für alles, was außerhalb davon liegt.
Das gemeinsame Grundprinzip
Alle drei arbeiten nach demselben Muster – das erklärt, warum sie sich in der Bedienung so ähnlich anfühlen:
- Daten werden in Chunks variabler Größe zerlegt.
- Jeder Chunk bekommt eine Prüfsumme als Identität.
- Nur Chunks, die im Repository noch fehlen, werden übertragen.
- Ein Snapshot ist lediglich eine Liste von Chunk-Verweisen.
Daraus folgen drei gemeinsame Eigenschaften:
- Deduplizierung über Snapshots hinweg. Eine Datei, die sich in zehn Sicherungen nicht geändert hat, liegt einmal im Repository.
- Jeder Snapshot verhält sich wie eine Vollsicherung. Es gibt keine Kette, die reißen kann – das Löschen eines Snapshots gefährdet die anderen nicht.
- Speicher wird erst durch einen Aufräumlauf frei. Löschen markiert nur; das
Freigeben ist ein eigener Schritt (
prunebei restic und Borg, Garbage Collection bei PBS).
Den letzten Punkt unterschätzen fast alle Einsteiger. Er steht deshalb auch in typische Backup-Fehler.
Wo die Unterschiede liegen
Datenmodell: Dateien oder Blöcke
restic und Borg sichern Dateien. Sie laufen im laufenden System, lesen Pfade und schreiben deren Inhalt weg. Was gesichert wird, entscheidest du über Include- und Exclude-Regeln.
PBS sichert virtuelle Datenträger als Blockabbild. Es kennt den Inhalt der VM nicht und muss ihn auch nicht kennen. Bei Virtualisierung ist das der große Vorteil: Ein Restore liefert eine sofort startfähige Maschine, nicht einen Haufen Dateien, aus dem man ein System wieder zusammenbauen muss.
Für physische Linux-Systeme bringt PBS zusätzlich einen Dateisicherungs-Client mit. Er ist brauchbar, aber weniger flexibel als restic oder Borg – und er bindet dich an eine PBS-Instanz als Ziel.
Konsequenz: Die Werkzeuge konkurrieren weniger, als es scheint. PBS gewinnt bei VMs, weil die anderen beiden dort gar nicht richtig antreten.
Ziele: wohin gesichert werden kann
Das ist der praktisch wichtigste Unterschied zwischen restic und Borg.
| restic | Borg | |
|---|---|---|
| Lokales Verzeichnis | ja | ja |
| SSH / SFTP | ja | ja |
| S3-kompatibler Objektspeicher | ja, nativ | nein |
| Weitere Cloud-Dienste | ja, direkt oder über rclone | nur über Umwege |
| Eigener REST-Server | ja | – |
Borg braucht auf der Gegenseite eine Borg-Installation (mindestens SSH-Zugang mit verfügbarem Borg-Binary). Das schließt reine Objektspeicher aus. Anbieter, die SSH anbieten, funktionieren; ein S3-Bucket nicht.
restic spricht Objektspeicher direkt. Für eine Offsite-Kopie zu einem S3-kompatiblen Anbieter ist das ein handfester Vorteil – Details in Offsite-Backup: Storage Box oder S3.
Verschlüsselung
Hier gibt es wenig zu entscheiden:
- restic verschlüsselt immer. Einen unverschlüsselten Modus gibt es nicht.
- Borg verschlüsselt optional, in den üblichen Repokey-Modi standardmäßig aktiviert.
- PBS verschlüsselt optional, clientseitig, mit einem Schlüssel auf dem PVE-Host.
Alle drei verschlüsseln vor der Übertragung. Der Anbieter am anderen Ende sieht in allen Fällen nur unlesbare Daten.
Der relevante Unterschied liegt nicht in der Verschlüsselung selbst, sondern in der Schlüsselverwaltung – und genau dort scheitern Restores. Siehe Backup-Verschlüsselung.
Append-only: der Ransomware-Punkt
Der wichtigste Unterschied für die Sicherheitsbetrachtung – und der am seltensten diskutierte.
Wird der gesicherte Rechner kompromittiert, hat der Angreifer dessen Backup-Zugangsdaten. Ohne Gegenmaßnahme kann er damit auch das Repository löschen.
| Werkzeug | Mechanismus |
|---|---|
| Borg | borg serve --append-only auf der Gegenseite, erzwungen über die SSH-Konfiguration des Schlüssels |
| restic | REST-Server im Append-only-Modus oder Objektspeicher mit Objekt-Sperre |
| PBS | Rechtetrennung: der Client-Zugang bekommt DatastoreBackup ohne Löschrechte |
Alle drei können es – keines tut es von selbst. Das ist ein Konfigurationsschritt, den man aktiv gehen muss. Ausführlich in Ransomware-sichere Backups.
Restore-Komfort
Der Punkt, der im Ernstfall zählt und beim Vergleich fast immer vergessen wird – weil man Backups einrichtet und nicht Restores.
PBS ist hier deutlich vorn: Web-Oberfläche, Wiederherstellung ganzer VMs mit wenigen Klicks, dazu ein Dateibrowser, der in einen Sicherungsstand hineinschaut, ohne alles zurückzuspielen.
restic kann ein Repository als Dateisystem einhängen (restic mount). Danach
durchsucht man Snapshots mit normalen Dateiwerkzeugen – sehr angenehm, wenn man weiß,
dass es diese Funktion gibt.
Borg kann dasselbe (borg mount) und bietet gute Auflistungsfunktionen. Bedienung
rein auf der Kommandozeile.
Für Umgebungen, in denen im Ernstfall auch jemand anderes als du wiederherstellen können muss, wiegt die Oberfläche von PBS schwerer, als es technisch klingt.
Plattformen
| Linux | macOS | Windows | |
|---|---|---|---|
| restic | ja | ja | ja |
| Borg | ja | ja | nein (nur über WSL) |
| PBS-Client | ja | – | – |
Sobald ein Windows-Rechner gesichert werden soll, entfällt Borg praktisch. Das ist oft schon die ganze Entscheidung.
Wartung und Betrieb
restic ist eine einzelne ausführbare Datei ohne Abhängigkeiten. Kopieren, ausführen, fertig. Das macht es auf Systemen attraktiv, auf denen man ungern Pakete installiert.
Borg ist eine Python-Anwendung. Auf Distributionen mit Paket unproblematisch; heikel wird es, wenn Client und Server unterschiedliche Versionsstände haben – Borg ist dabei empfindlicher.
PBS ist ein vollständiges System, das gewartet werden will: Updates, Plattenplatz, Zertifikate. Dafür bekommst du Oberfläche, Benachrichtigungen und geplante Jobs, ohne selbst etwas zu skripten.
Was der Vergleich nicht beantwortet
Zur Ehrlichkeit gehört, was hier bewusst offenbleibt:
Geschwindigkeit. Belastbare Aussagen zum Durchsatz hängen so stark von Datenart, Chunk-Größe, Kompression, Netzwerk und Datenträger ab, dass allgemeine Zahlen irreführend wären. Miss es in deiner Umgebung – die Werkzeuge sind schnell genug installiert, um zwei davon parallel gegen dieselben Daten laufen zu lassen.
Speicherbedarf. Dasselbe. Die Deduplizierungsrate hängt vollständig von deinen Daten ab. Zehn ähnliche VMs verhalten sich völlig anders als zehn Fotoarchive.
Entscheidungshilfe
Der Reihe nach durchgehen – die erste zutreffende Zeile gewinnt:
- Proxmox-VMs oder -Container sichern? → PBS. Kein anderes Werkzeug liefert startfähige Maschinen zurück.
- Windows im Spiel? → restic.
- Ziel ist Objektspeicher? → restic.
- Ziel ist ein eigener Server per SSH, Append-only mit einfachen Mitteln? → Borg.
- Unentschieden? → restic. Nicht weil es besser wäre, sondern weil es die wenigsten Annahmen über die Gegenseite macht und dich dadurch später am wenigsten blockiert.
Kombinationen, die sich bewährt haben
Homelab mit Proxmox: PBS für alle VMs und Container, dazu eine Synchronisation des Datastores zu einem Offsite-Ziel. Für Daten außerhalb der Virtualisierung – Notebook, NAS-Freigaben – zusätzlich restic.
Ohne Virtualisierung: restic gegen einen lokalen REST-Server oder ein NAS, zusätzlich dasselbe Repository gespiegelt zu einem Objektspeicher.
Kleinbetrieb: PBS als zentrales Ziel mit Oberfläche und Benachrichtigungen – nicht wegen technischer Überlegenheit, sondern weil im Ernstfall jemand ohne Kommandozeilenkenntnisse wiederherstellen können muss.
Weiter im Cluster
- 3-2-1-Backup-Strategie – der Überbau
- Proxmox Backup Server einrichten – wenn die Wahl auf PBS fällt
- Offsite-Backup: Storage Box oder S3 – das Ziel außer Haus
- Backup-Verschlüsselung – bei allen drei relevant
- Restore testen – erst danach ist die Wahl bestätigt