NAS selber bauen oder kaufen – die ehrliche Rechnung
Fertiggerät oder Selbstbau: Was beide wirklich kosten, was beim Ausfall des Gehäuses aus den Platten wird und welche Frage die Entscheidung trägt.
7 Min. LesezeitReini
Die Kostenrechnung, die in den meisten Vergleichen steht, geht so: Fertiggerät gegen Einzelteile, Differenz, Empfehlung. Sie ist nicht falsch, sie beantwortet nur die falsche Frage. Die Frage, die zählt, kommt Jahre später und lautet: Das Gehäuse ist tot – was ist jetzt mit den Platten?
Dieser Artikel vergleicht beide Wege entlang dieser Frage und rechnet dabei die Posten mit, die in Kaufberatungen fehlen: Strom, Zeit und die Bindung an einen Hersteller.
Die kurze Antwort
| Deine Situation | Weg |
|---|---|
| Dateiablage, zwei bis vier Platten, soll einfach laufen | Fertiggerät |
| Sicherungsziel für einen Virtualisierer | Selbstbau mit ZFS |
| Mehr als vier Platten oder 10 Gigabit absehbar | Selbstbau |
| Es läuft ohnehin schon ein Server mit freien Einbauplätzen | gar kein NAS – Platten dorthin |
| Im Haushalt muss es jemand ohne Kommandozeile bedienen können | Fertiggerät |
Die vierte Zeile wird am häufigsten übersehen. Ein zweites Gerät bringt eine zweite Grundlast, ein zweites Netzteil und eine zweite Wartungsaufgabe – der Aufwand dafür will begründet sein, und „ein NAS gehört dazu“ ist keine Begründung.
Erst klären: Was soll das Gerät sein?
Drei Aufgaben werden regelmäßig in einem Gerät vermischt, und jede stellt andere Anforderungen:
- Dateiablage – Freigaben im Netz, viele Lesezugriffe, wenig Schreiblast.
- Sicherungsziel – wenig Zugriffe, dafür Prüfläufe, Aufräumvorgänge und die Anforderung, dass es den Ausfall der Quelle überlebt.
- Anwendungsserver – Container, Datenbanken, Dienste mit Dauerlast.
Aufgabe 1 und 3 dürfen dasselbe Gerät sein. Aufgabe 2 nicht. Ein Sicherungsziel, das auf derselben Maschine liegt wie die Quelle, ist eine zweite Kopie am selben Ort – die 3-2-1-Regel verlangt genau das Gegenteil, und der Fall steht nicht ohne Grund unter den typischen Backup-Fehlern.
Der Satz, der dabei am teuersten missverstanden wird: Ein Plattenverbund ist keine Sicherung. Er fängt den Ausfall einer Platte ab, nicht das versehentliche Löschen, nicht die Verschlüsselung durch einen Trojaner und nicht den Blitzschlag, der das ganze Gerät trifft.
Fertiggerät gegen Selbstbau
| Fertiggerät | Selbstbau | |
|---|---|---|
| Anschaffung | mittel, alles dabei | höher bei gleicher Ausbaustufe |
| Zeit bis es läuft | Stunden | ein Wochenende |
| Erweiterbarkeit | auf das Gehäuse begrenzt | frei |
| Stromaufnahme | niedrig, gut optimiert | hängt von den Teilen ab |
| Oberfläche | ausgereift, für Laien bedienbar | je nach System |
| Ersatzteile | herstellergebunden | Standardteile |
| Lebensdauer der Software | Update-Politik des Herstellers | so lange die Distribution läuft |
| Platten lesbar an anderer Hardware | je nach Modell | ja, bei ZFS immer |
Die letzten beiden Zeilen entscheiden. Alles darüber ist Komfort und Geld – wiederholbar, korrigierbar. Die Frage, was in fünf Jahren aus den Daten wird, ist es nicht.
Wenn das Gehäuse stirbt
Der Fall, auf den es hinausläuft, und der in Kaufberatungen fehlt, weil er beim Kauf nicht wehtut.
Beim Fertiggerät hängt alles davon ab, wie die Platten beschrieben wurden. Systeme, die im Kern auf Standardverfahren aufsetzen, lassen sich mit Aufwand an einem Linux-Rechner wieder einlesen. Systeme mit eigenem Verbundformat brauchen ein gleiches oder verwandtes Gerät – und das heißt: dasselbe Modell nachkaufen, notfalls gebraucht, zum Preis, den der Markt gerade macht. Wer sich darauf einlässt, sollte das vor dem Kauf wissen und nicht im Ernstfall herausfinden.
Beim Selbstbau mit ZFS ist die Antwort langweilig, und das ist ihr Vorteil: Platten in
eine beliebige andere Maschine, zpool import, fertig. Kein Modellzwang, keine
Herstellerbindung. Dieselbe Eigenschaft, die ZFS im
Proxmox-Einstieg zur Standardwahl macht.
Nur: Behauptet ist das schnell, geprüft selten. Wer diesen Weg wählt, sollte ihn einmal gegangen sein, bevor er ihn braucht – dieselbe Logik wie beim Restore-Test, und mit demselben Ergebnis, wenn man es lässt.
Der Posten, der in keiner Kaufberatung steht
Fertiggeräte sind im Leerlauf sparsam, und zwar deutlich sparsamer als ein zusammengesteckter Selbstbau ohne Rücksicht auf die Plattform. Das ist ein echter Vorteil – er verschwindet nur zu einem guten Teil, sobald Platten im Spiel sind: Jede zusätzliche 3,5-Zoll-Festplatte schlägt im Leerlauf mit grob 4 bis 8 Watt zu Buche, und diese Watt fallen in beiden Bauformen gleich an.
Rechnen lässt sich das vor dem Kauf: Wattzahl in den Stromkostenrechner, Jahresbetrag ablesen, zum Kaufpreis addieren. Bei einem Gerät, das fünf Jahre durchläuft, verschiebt dieser Posten die Rangfolge regelmäßig. Welche Stellschrauben es beim Selbstbau gibt – Plattform, Ruhezustände, Netzteil – steht in Stromverbrauch im Homelab senken; der Abstand zum Fertiggerät ist damit weitgehend einholbar, aber eben nicht von allein.
Und der zweite Posten, der nie auftaucht: Zeit. Ein Selbstbau kostet ein Wochenende Aufbau und danach regelmäßig Aufmerksamkeit – Updates, Zustand des Verbunds, gelegentlich eine Fehlersuche. Wer das gern macht, verbucht es nicht als Kosten. Wer es nicht gern macht, sollte es trotzdem einpreisen, weil es sonst unterbleibt.
Kapazität planen, bevor gekauft wird
Der Fehler passiert beim Kauf und ist danach nur mit neuen Platten zu korrigieren.
Nutzbar ist deutlich weniger, als draufsteht. Zwei Effekte kommen zusammen: die Parität des Verbunds und der Unterschied zwischen dezimal verkauften Terabyte und binär gerechneten Tebibyte – rund neun Prozent, und genau daher kommt die Frage, wo die fehlenden Gigabyte hin sind. Beides rechnet der RAID- und ZFS-Kapazitätsrechner in einem Schritt aus.
Bei ZFS kommt die Füllstandsgrenze dazu. Ab etwa 80 Prozent Belegung leidet die Schreibleistung spürbar. Diese Reserve gehört in die Planung, nicht in die Hoffnung.
Und die Breite des Verbunds ist eine langfristige Festlegung. Einzelne Platten lassen sich einem RAIDZ inzwischen hinzufügen; an der Paritätsbreite bereits geschriebener Daten ändert das nichts. Die bequeme Erweiterung bleibt daher der zweite Verbund aus mehreren Platten – wer klein anfängt, plant den Platz dafür besser gleich mit ein.
Faustregel für die Wahl: Bis vier Platten ein Spiegel, ab etwa sechs Platten RAIDZ2 beziehungsweise RAID 6. Einfache Parität bei heutigen Plattengrößen nur noch mit gutem Grund – die Wiederherstellung nach einem Ausfall dauert bei großen Platten lange, und in dieser Zeit gibt es keinen Schutz mehr.
Die Selbstbau-Varianten
Nicht jeder Selbstbau ist derselbe:
Fertiges NAS-Betriebssystem. Oberfläche, Freigaben, Benutzerverwaltung, Apps – nahe am Komfort eines Fertiggeräts, ohne die Hardwarebindung. Der übliche Einstieg, wenn das Gerät vor allem Dateiablage sein soll.
Virtualisierer mit Freigabe-Container. Proxmox VE mit ZFS als Unterbau, die Freigaben in einem Container daneben. Der Weg, wenn ohnehin virtualisiert wird: ein Gerät, ein Datenspeicher, und die Freigabe ist ein Dienst wie jeder andere. Ob Container oder VM die richtige Hülle dafür ist, klärt VM oder LXC-Container.
Nacktes Linux mit ZFS und Samba. Am sparsamsten, am wenigsten Oberfläche. Sinnvoll für ein reines Sicherungsziel, das niemand außer dir bedient.
Für die zweite und dritte Variante gilt: Die Freigabe ist der leichte Teil. Der Aufwand steckt in Benutzerrechten, Zugriffsrechten auf dem Dateisystem und der Frage, wer beim Ausfall was reparieren kann.
Was in beiden Fällen gleich bleibt
Unabhängig von der Bauform sind vier Dinge zu erledigen, sonst ist das Gerät ein Datengrab mit Ausfallschutz:
- Eine Kopie außer Haus. Ein Verbund im selben Raum überlebt weder Feuer noch Diebstahl – Offsite-Backup: Storage Box oder S3.
- Verschlüsselung, sobald die Daten das Haus verlassen – Backup-Verschlüsselung.
- Benachrichtigung, die auch das Ausbleiben eines Laufs meldet. Ein NAS, das still einen Plattenausfall wegsteckt, meldet den zweiten erst, wenn es zu spät ist – Backups überwachen.
- Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung mit geordneter Abschaltung. Ein Plattenverbund verträgt harte Stromausfälle schlechter als eine einzelne Platte; wie groß sie sein muss und was sie tatsächlich leistet, steht in USV richtig dimensionieren.
Entscheidungshilfe
Der Reihe nach, die erste zutreffende Zeile gewinnt:
- Läuft schon ein Server mit freien Einbauplätzen? → Platten dorthin, kein zweites Gerät.
- Muss es jemand bedienen können, der keine Kommandozeile benutzt? → Fertiggerät. Dieser Punkt schlägt jeden technischen Vorteil.
- Mehr als vier Platten, 10 Gigabit oder Virtualisierung absehbar? → Selbstbau.
- Ist es das Sicherungsziel eines Virtualisierers? → Selbstbau mit ZFS. Der Weg zurück von den Platten muss offen bleiben.
- Nichts davon trifft zu? → Fertiggerät. Nicht weil es besser wäre, sondern weil die gesparte Zeit dort landet, wo sie mehr bringt: bei der Sicherung außer Haus.
Weiter
- USV richtig dimensionieren – die Ergänzung, die jeder Plattenverbund braucht
- RAID- und ZFS-Kapazitätsrechner – nutzbare Kapazität und Ausfalltoleranz vor dem Kauf
- Stromverbrauch im Homelab senken – der Posten, der beim Kauf nicht auffällt
- Mini-PC als Homelab-Server – wenn kein Plattenverbund gebraucht wird
- 3-2-1-Backup-Strategie – warum das NAS allein nicht reicht
- Restore testen – der Beweis, dass der Weg zurück offen ist