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Hardware & Strom

Stromverbrauch im Homelab senken – die richtige Reihenfolge

Wo die Watt im Homelab tatsächlich liegen und in welcher Reihenfolge Messen, Zusammenlegen, Platten, C-States und Netzteil wirklich etwas bringen.

8 Min. LesezeitReini

Ein Watt Dauerlast sind 8,76 Kilowattstunden im Jahr – bei 25 Cent je Kilowattstunde rund 2,19 Euro. Das ist die ganze Mathematik dieses Themas, und sie hat eine unangenehme Folge: Es geht nicht um Effizienz unter Last, sondern um den Leerlauf. Ein Homelab rechnet die meiste Zeit nichts. Was es kostet, entscheidet sich in den Stunden, in denen niemand hinsieht.

Dieser Artikel bringt die Maßnahmen in die Reihenfolge ihres Ertrags. Die ersten drei bringen den Großteil; die letzten sind das, womit Foren sich am liebsten beschäftigen.

Zuerst messen, sonst optimiert man ein Gefühl

Ohne Ausgangswert lässt sich keine Maßnahme bewerten – und die Schätzungen liegen regelmäßig um den Faktor zwei bis fünf daneben. Die Angabe auf dem Netzteil ist es nicht: Sie sagt, was es liefern kann, nicht was gezogen wird.

Was zählt, ist der Mittelwert über mindestens eine volle Woche, gemessen mit einer Messsteckdose zwischen Gerät und Wand. Der Momentanwert taugt nicht, weil er den nächtlichen Sicherungslauf entweder trifft oder verpasst. Die meisten Messsteckdosen führen einen kumulierten Zähler; dieser Wert, geteilt durch die Messdauer in Stunden und mal 1000, ergibt die mittlere Leistungsaufnahme in Watt.

Damit in den Stromkostenrechner, und der Jahresbetrag steht. Erst diese Zahl macht aus „das Ding braucht sicher zu viel“ eine Entscheidungsgrundlage.

Und jede Maßnahme einzeln messen. Wer BIOS-Einstellungen, eine neue Platte und ein anderes Netzteil an einem Nachmittag ändert, weiß danach, dass es besser wurde, aber nicht wodurch.

Die Rangfolge

Hebel Größenordnung Aufwand
Geräte zusammenlegen ganze Geräte, nicht einzelne Watt hoch, einmalig
Platten reduzieren oder ersetzen mehrere Watt je Platte mittel
Energiesparzustände freischalten zweistellig bei blockierten Systemen gering
Netzteil passend dimensionieren einstellig mittel
Steckkarten entfernen einstellig bis zweistellig gering
CPU untertakten, Lüfter tauschen kaum messbar gering

Die Reihenfolge ist keine Geschmacksfrage. Wer unten anfängt, feilt an einzelnen Watt, während oben ein ganzes Gerät läuft, das niemand mehr braucht.

Hebel 1: Geräte zusammenlegen

Der mit Abstand größte, und der einzige, der ganze Netzteile abschaltet statt einzelner Watt.

Ein Homelab wächst historisch: ein Rechner für die Dateiablage, ein zweiter für Heimautomatisierung, ein alter Laptop für den DNS-Filter, dazu ein Bastelrechner, der seit einem Jahr eine Aufgabe erfüllt. Jedes dieser Geräte bringt eine eigene Grundaufnahme mit – Board, Netzteil, Lüfter, Wandler – und die fällt an, bevor irgendeine Aufgabe erledigt ist.

Zusammengelegt auf eine Maschine mit Virtualisierung fällt diese Grundaufnahme einmal an statt viermal. Der Einstieg dazu steht in Proxmox VE im Homelab.

Ein Missverständnis dabei: Container statt VMs sparen keinen nennenswerten Strom. Der Unterschied liegt beim Arbeitsspeicher und beim Verwaltungsaufwand, nicht an der Steckdose – ein leerlaufender Gastkern kostet kaum etwas. Was Container tatsächlich bringen, ist, dass mehr Dienste auf dieselbe Maschine passen, und darüber wirken sie dann doch: Was auf einer Maschine läuft, braucht keine zweite. Die Abwägung im Detail: VM oder LXC-Container.

Vor der Zusammenlegung gehört allerdings die Kehrseite bedacht: Aus vier Geräten mit vier Ausfallrisiken wird eines, dessen Ausfall alles trifft. Das ist beherrschbar, aber nur mit einer Sicherung, die auch die Wiederherstellung auf anderer Hardware abdeckt – Restore testen ist nach so einem Umbau kein Vorschlag, sondern der Abschluss der Arbeit.

Hebel 2: Platten

Der zweitgrößte Posten, und der am leichtesten unterschätzte: Jede zusätzliche 3,5-Zoll-Festplatte schlägt im Leerlauf mit grob 4 bis 8 Watt zu Buche, unter Last mit mehr. Sechs Platten sind damit ein kleiner Server für sich, der rund um die Uhr mitläuft.

Drei Wege, das zu senken:

Weniger, größere Platten. Vier Platten zu 8 TB brauchen weniger als acht zu 4 TB und liefern mehr nutzbare Kapazität. Was ein bestimmter Verbund am Ende hergibt, rechnet der RAID- und ZFS-Kapazitätsrechner aus – die Anzahl der Platten ist damit eine Entscheidung, die man vor dem Kauf durchrechnen kann statt danach.

SSD für das, was ständig angefasst wird. Betriebssystem, VM-Datenträger, Datenbanken. Eine NVMe im Leerlauf liegt deutlich unter einer drehenden Platte, und die drehenden Platten kommen dadurch überhaupt erst zur Ruhe.

Spindown – aber ehrlich. Platten schlafen zu legen klingt nach der einfachsten Maßnahme und ist in der Praxis die enttäuschendste. Ein Sicherungsziel wird nachts beschrieben, wöchentlich geprüft und monatlich aufgeräumt; ein ZFS-Pool wird regelmäßig durchgelesen. Jeder dieser Läufe weckt alles wieder auf. Was bleibt, sind Anlaufzyklen – die belasten die Mechanik mehr als Dauerlauf. Spindown lohnt für ein Archiv, das tagelang niemand anfasst, nicht für den täglich beschriebenen Datastore.

Hebel 3: Energiesparzustände freischalten

Hier liegt der Sprung, der bei fertig gekaufter Hardware am häufigsten brachliegt: Moderne Prozessoren fahren im Leerlauf tiefe Ruhezustände (C-States), und das Paket erreicht sie nur, wenn alle Komponenten mitspielen. Eine einzige Steckkarte ohne aktive Verbindungssparfunktion (ASPM) hält das gesamte System oben – der Effekt ist zweistellig, und die Ursache steht in keinem Protokoll.

Die Reihenfolge:

  1. Im BIOS nachsehen. C-States, „Package C-State Limit“ und ASPM sind auf Server- und Fertigsystemen oft ab Werk abgeschaltet, weil das die wenigsten Rückfragen erzeugt.

  2. Unter Linux nachmessen, wie tief das System tatsächlich kommt:

    apt install powertop
    powertop --auto-tune      # setzt die empfohlenen Werte

    Interessant ist die Übersicht der Package-C-States: Steht das System dauerhaft im flachsten Zustand, blockiert etwas – meist eine Steckkarte, gelegentlich ein Treiber.

  3. Die Einstellungen dauerhaft machen. powertop --auto-tune überlebt keinen Neustart. Was sich bewährt hat, gehört in eine Dienstdefinition oder in die Kernel-Parameter.

Zwei Warnungen. ASPM kann bei einzelnen Netzwerkkarten zu Aussetzern führen, und die zeigen sich nicht sofort, sondern als sporadischer Verbindungsabbruch drei Tage später. Nach jeder Änderung eine Weile beobachten – und die Änderung notieren, sonst sucht man den Fehler später an der falschen Stelle. Und: --auto-tune schaltet auch USB-Geräte schlafen. Eine USB-Platte als Sicherungsziel verträgt das oft nicht.

Hebel 4: Netzteil

Ein Netzteil arbeitet im unteren Lastbereich am schlechtesten. Ein 750-Watt-Netzteil an einem System, das 30 Watt zieht, läuft bei vier Prozent Auslastung – weit unterhalb des Bereichs, für den die Effizienzklassen überhaupt etwas zusagen. Ein erheblicher Teil der Ersparnis der ersten drei Hebel verpufft dort als Abwärme.

Passend dimensionieren heißt: Spitzenlast plus Reserve, nicht Spitzenlast mal drei. Bei kleinen Systemen ohne Steckkarten ist ein externes Netzteil mit kleiner Platine im Gehäuse die sparsamste Bauform.

Zwei Einschränkungen. Der Anlaufstrom mehrerer drehender Platten ist kurz erheblich – wer knapp dimensioniert, staffelt den Anlauf. Und ein Netzteiltausch kostet Geld, das sich erst über Jahre einspielt: Ob überhaupt, sagt der Amortisationsteil des Stromkostenrechners.

Hebel 5: Was wieder rauskann

Alles, was im Gerät steckt und nicht gebraucht wird, zieht rund um die Uhr:

  • Der HBA aus dem Serverumfeld braucht auch dann Strom, wenn keine einzige Platte daran hängt – und einige Modelle blockieren zusätzlich die tiefen Ruhezustände aus Hebel 3.
  • 10-Gigabit über Kupfer ist deutlich durstiger als dieselbe Bandbreite über Direktverbindung mit Glasfasertransceiver. Wer die Bandbreite nicht ständig braucht, bemerkt den Unterschied nur auf der Rechnung.
  • Die dedizierte Grafikkarte ist der größte Einzelposten. Für gelegentliches Umkodieren reicht die integrierte Einheit; wann sich eine eigene Karte trotzdem lohnt und was sie im Leerlauf kostet, steht in GPU-Passthrough unter Proxmox.

Was kaum etwas bringt

Damit die Zeit dort landet, wo sie wirkt:

  • CPU untertakten oder undervolten. Wirkt unter Last, und Last ist nicht das Problem. Im Leerlauf regelt der Prozessor ohnehin herunter.
  • Lüfter tauschen. Ein Gehäuselüfter bewegt sich im Bereich von ein bis zwei Watt. Leiser wird es, günstiger kaum.
  • Sparsamere Speicherriegel. Der Unterschied liegt im Bereich der Messungenauigkeit einer Steckdose.
  • Dienste abschalten, die nichts tun. Ein Prozess, der schläft, kostet nichts. Das Aufräumen hat andere gute Gründe, aber nicht diesen.

Abschalten und Aufwecken – die Grenze

Die größte denkbare Ersparnis ist ein Gerät, das aus ist. Genau hier hört das Sparen allerdings auf, sinnvoll zu sein:

Ein Sicherungsziel, das zwei Stunden am Tag erreichbar ist, ist auch nur zwei Stunden am Tag ein Sicherungsziel. Es fehlt nicht nur für die spontane Wiederherstellung – Prüfläufe und Aufräumvorgänge brauchen Laufzeit, und die verschiebt sich mit jedem verpassten Fenster. Wer trotzdem abschaltet, braucht ein automatisches Aufwecken, ein ausreichendes Zeitfenster und eine Überwachung, die das Ausbleiben eines Laufs meldet, nicht nur seinen Fehlschlag. Das Muster dafür steht in Backups überwachen.

Die Regel dahinter gilt für dieses ganze Thema: Keine Stromsparmaßnahme, die die Wiederherstellbarkeit angreift. Eine zweite Kopie einzusparen, weil das zweite Gerät Strom zieht, ist keine Optimierung, sondern der Abschied von der 3-2-1-Regel – und steht aus gutem Grund unter den typischen Backup-Fehlern.

Die Reihenfolge, kurz

  1. Eine Woche messen, Jahreskosten ausrechnen, Ausgangswert notieren.
  2. Geräte zusammenlegen – das ist der Hebel, alles Weitere ist Feinschliff.
  3. Plattenanzahl senken, ständig Benutztes auf SSD.
  4. C-States und ASPM im BIOS freischalten, mit powertop nachprüfen, Stabilität beobachten.
  5. Netzteil auf die tatsächliche Last anpassen, sofern es sich rechnet.
  6. Karten entfernen, die nicht gebraucht werden.
  7. Nachmessen. Ohne zweite Messung ist alles davon eine Vermutung.

Wer nach Schritt 2 feststellt, dass die verbleibende Maschine für ihre Aufgabe überdimensioniert ist, steht vor einer Hardwarefrage – welche Geräteklasse wie viel leistet und wo sie anstößt, steht in Mini-PC als Homelab-Server.

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