NAS-Betriebssysteme im Vergleich: TrueNAS, Unraid & Co.
TrueNAS, Unraid, OpenMediaVault und die Neuen im Vergleich: Funktionen, Kosten, Open Source – und ob die Daten ohne das System lesbar bleiben.
19 Min. LesezeitReini
Der Artikel NAS selber bauen oder kaufen endet bei einer Frage, die in Kaufberatungen fehlt: Das Gehäuse ist tot – was ist mit den Platten? Beim Selbstbau kommt eine zweite dazu, und sie ist mindestens so wichtig: Das System startet nicht mehr, der Hersteller gibt auf, die Lizenz läuft aus – kommen die Daten dann trotzdem wieder heraus?
Dieser Vergleich nimmt diese Frage als Maßstab. Er stellt neun NAS-Betriebssysteme nebeneinander: die drei etablierten Selbstbau-Systeme, vier junge, darunter zwei aus China, und zum Vergleich die Systeme der beiden Fertiggeräte-Hersteller Synology und UGREEN. Die Angaben zu den Systemen stammen aus den Dokumentationen, Preis- und Lizenzseiten der Hersteller, Stand 23. Oktober 2026.
Die kurze Antwort
- Die Daten selbst stehen an erster Stelle – Prüfsummen, Snapshots, Replikation: TrueNAS Community Edition.
- Platten unterschiedlicher Größe, die nach und nach dazukommen: Unraid.
- Raspberry Pi oder alte, schwache Hardware: OpenMediaVault.
- Bedienung ganz ohne Kommandozeile: ein Fertiggerät, kein Selbstbau.
- Die jungen Systeme: HexOS erbt Unterbau und Rettungsweg von TrueNAS, hängt aber bei Anmeldung und Fernzugriff an der Hersteller-Cloud. ZimaOS, FygoOS und GEAK OS: zum Ausprobieren ja – als Ablage für Daten, die es nur dort gibt, erst dann, wenn der Hersteller dokumentiert, wie sie ohne das System wieder herauskommen.
Der Maßstab: Kommen die Daten wieder heraus?
Ein NAS-Betriebssystem ist austauschbar, die Daten darauf sind es nicht. Der wichtigste Unterschied zwischen den Systemen steht deshalb in keiner Funktionsliste: In welchem Format liegen die Daten auf den Platten, und kann ein gewöhnliches Linux sie lesen, wenn das System selbst nicht mehr startet?
Fünf Systeme haben darauf eine belegte Antwort:
- TrueNAS und HexOS speichern in ZFS. Jedes Linux mit OpenZFS importiert den Pool mit
zpool import. Die Einschränkung steht im OpenZFS-Handbuch: Nutzt der Pool Funktionen, die das Zielsystem nicht kennt, lässt er sich nicht oder nur schreibgeschützt importieren. Wer nach einem Update alle neuen Pool-Funktionen einschaltet, braucht für die Rettung ein gleich neues OpenZFS. Bei HexOS kommt eine Bedingung dazu: Ordner, die mit einem vom Hersteller verwahrten Schlüssel verschlüsselt sind, lassen sich ohne dieses Konto nicht öffnen – wer vorsorgen will, wählt den selbst verwalteten Wiederherstellungsschlüssel. - Unraid legt im Array auf jede Datenplatte ein eigenes Dateisystem, standardmäßig XFS. Die Doku nennt die Rettung deshalb „straightforward on any Linux system“: Jede Platte lässt sich einzeln einhängen. Verschlüsselte Platten nutzen LUKS und öffnen sich auf jedem Linux – mit dem Schlüssel. Ohne ihn ist laut Hersteller nichts zu retten, „no exceptions“.
- OpenMediaVault baut aus Standard-Linux-Bausteinen: Software-RAID mit mdadm, darauf ext4, XFS oder Btrfs. Jedes Linux mit mdadm setzt den Verbund wieder zusammen.
- Synology liefert eine offizielle Anleitung mit Ubuntu:
mdadmundlvm2installieren, mitmdadm -AsfR && vgchange -ayden Verbund aktivieren, schreibgeschützt einhängen. Sie gilt nicht für Volumes mit Lese-/Schreib-SSD-Cache.
Bei UGREEN, ZimaOS, FygoOS und GEAK OS ist kein solcher Weg dokumentiert. Das heißt nicht, dass eine Rettung unmöglich ist – unter der Oberfläche stecken teils dieselben Linux-Bausteine. Es heißt, dass sie im Ernstfall ein Experiment mit den eigenen Daten ist.
Ein NAS mit gutem Rettungsweg ist trotzdem keine Sicherung. Die gehört auf ein zweites Gerät und außer Haus, nach der 3-2-1-Regel – und ob der Weg zurück funktioniert, zeigt nur ein Restore-Test.
Funktionen im Vergleich
Drei Tabellen mit denselben Zeilen: die etablierten Selbstbau-Systeme, die jungen und die beiden Fertiggeräte-Systeme. Preise in US-Dollar, wie die Hersteller sie angeben; Stand 23.10.2026. „Keine Angabe“ heißt: In der Herstellerdokumentation nicht zu finden.
Die etablierten Selbstbau-Systeme
| TrueNAS Community Edition | Unraid | OpenMediaVault | |
|---|---|---|---|
| Quellcode | Open Core: Kern unter GPLv3/LGPLv3 | proprietär, einzelne Teile offen | Open Source (GPLv3) |
| Kosten | kostenlos | 49 $ (bis 6 Laufwerke), 109 $ oder 249 $ einmalig; bei den ersten beiden Updates für ein Jahr, danach optional 36 $/Jahr | kostenlos |
| Basis, Hardware | Linux (Debian), nur x86_64 | Linux, x86_64 | Debian 13, x86_64 und ARM64 |
| Plattenverbund | ZFS: Mirror, RAIDZ1–3, dRAID | Array mit bis zu zwei Paritätsplatten, dazu Pools mit ZFS, Btrfs oder XFS | Software-RAID (mdadm) per offiziellem Plugin; ZFS per Drittanbieter-Plugin |
| Platten verschiedener Größe | nein, die kleinste zählt | ja; Parität mindestens so groß wie die größte Datenplatte | bei RAID 1, 5, 6, 10 zählt die kleinste |
| Snapshots | ja | mit ZFS oder Btrfs, ohne Verwaltung in der Oberfläche | ja, für Ordner auf Btrfs |
| Freigaben | SMB, NFS, iSCSI, NVMe/TCP, FTP, SFTP | SMB, NFS (einzuschalten), FTP | SMB, NFS, rsync; iSCSI per Plugin |
| Container | Docker mit Compose, App-Katalog | Docker ohne Compose; App-Katalog als Plugin | Docker Compose per Plugin |
| VMs | ja (KVM) | ja (KVM) | per Plugin (KVM) |
| Sicherung eingebaut | Replikation, rsync, Cloud-Sync, Snapshots nach Zeitplan | keine für Nutzerdaten | rsync; USB-Backup per Plugin |
| Fernzugriff ab Werk | kein Fernzugriffsdienst; optional TrueNAS Connect (Überwachung) | Unraid Connect, Funktion „Remote Access“ optional per Portfreigabe | kein Herstellerdienst |
| Daten ohne das System | ZFS-Pool importierbar | jede Platte einzeln lesbar | Standard-Linux (mdadm) |
| USV-Abschaltung | NUT | apcupsd, NUT per Plugin | NUT per Plugin |
| RAM laut Hersteller | mindestens 8 GB | ohne Angabe, für VMs 8 GB | ab 1 GiB, empfohlen 4 GiB |
| Version | 25.10.7, TrueNAS 27 als Testversion | 7.3.4 | 8.x |
Die jungen Systeme
| ZimaOS | HexOS | FygoOS (fnOS) | GEAK OS | |
|---|---|---|---|---|
| Quellcode | laut Hersteller „open source“, ohne Lizenzangabe | ohne Lizenzangabe; Unterbau TrueNAS | geschlossen; Kernel-Teile und Samba veröffentlicht | geschlossen |
| Kosten | Free bis 4 Laufwerke und 3 Nutzer; ZimaOS+ 29 $ einmalig | 199 $ je Server, ab 01.12.2026 299 $ | Free bis 4 Laufwerke und 3 Nutzer; Plus 49 $, Lifetime 199 $ (Aktionspreise) | Free; Plus 4,99 $/Monat, Lifetime 179 $ (Aktionspreise); nur private Nutzung |
| Basis, Hardware | Linux, x86_64 | TrueNAS, x86_64 | Debian, x86; ARM als Beta | Debian 13, nur x86_64 |
| Plattenverbund | JBOD, RAID 0/1/5/6; ZFS per Kommandozeile | ZFS | ext4, Btrfs oder ZFS mit RAID | RAID (u. a. 1 und 5), Dateisystem nicht angegeben |
| Platten verschiedener Größe | nur als JBOD, ohne Redundanz | nein, ähnlich große Platten | keine Angabe | keine Angabe |
| Snapshots | nur mit ZFS | angekündigt | ja; Umfang je Tarif | keine Angabe |
| Freigaben | SMB; NFS und iSCSI per Kommandozeile | SMB; weitere über TrueNAS | SMB, NFS, WebDAV, FTP, DLNA, iSCSI | SMB, WebDAV, FTP |
| Container | Docker, App-Store, Compose-Import | Apps aus dem TrueNAS-Katalog | Docker, App-Center | Docker, App Center |
| VMs | ja | Beta, regulär ab Version 1.1 | per App | per App |
| Sicherung eingebaut | Backup und Sync (Cloud, lokal, LAN) | Buddy Backups zwischen HexOS-Servern (Beta) | Backup-App in die Cloud | Sicherung von Handy, PC, Freigaben und USB aufs NAS |
| Fernzugriff ab Werk | Remote-ID, aktiv nach erster Verbindung | Anmeldung und Fernzugriff über Command Deck (Cloud); im Heimnetz lokale Oberfläche | FygoConnect, Relay über Hersteller-Server | GEAK Link, Relay als Rückfall; im Free-Tarif zwei Monate Test |
| Daten ohne das System | nicht dokumentiert | ZFS-Pool wie bei TrueNAS | nicht dokumentiert | nicht dokumentiert |
| USV-Abschaltung | nur USB-USV | über TrueNAS | ja | keine Angabe |
| RAM laut Hersteller | mindestens 4 GB, empfohlen 8 GB | mindestens 8 GB | keine Angabe | mindestens 8 GB, empfohlen 16 GB |
| Version | 1.8 | 1.0 seit April 2026 | 1.2 | öffentliche Preview |
Die Fertiggeräte zum Vergleich
| Synology DSM | UGREEN UGOS Pro | |
|---|---|---|
| Quellcode | proprietär; GPL-Bestandteile veröffentlicht | keine Angabe |
| Kosten | im Gerätepreis | im Gerätepreis |
| Hardware | nur Synology-Geräte, x86_64 oder ARM je Modell | nur UGREEN-Geräte, x86_64 oder ARM je Modell |
| Plattenverbund | SHR und RAID, Btrfs oder ext4 | RAID, JBOD, Basic; Btrfs oder ext4 |
| Platten verschiedener Größe | ja, mit SHR (nicht auf allen Modellen) | nein, bei RAID zählt die kleinste |
| Snapshots | ja (Btrfs) | ja (Btrfs) |
| Freigaben | SMB, NFS, FTP, SFTP, rsync, iSCSI; AFP ab Werk aus und auslaufend | SMB, NFS, WebDAV, FTP, SFTP, rsync, iSCSI |
| Container | Container Manager mit Compose (nicht auf jedem Modell) | Docker mit Compose (nicht auf jedem Modell) |
| VMs | ja, nur bestimmte Modelle, Btrfs nötig | ja, nicht auf der DH-Serie |
| Sicherung eingebaut | Hyper Backup, Snapshot Replication | Sync & Backup; S3 und B2 über Cloud Drives |
| Fernzugriff ab Werk | QuickConnect, Relay als letzte Stufe | UGREENlink, ohne öffentliche Adresse über Relay |
| Daten ohne das System | offizielle Anleitung mit Ubuntu | nicht dokumentiert |
| USV-Abschaltung | USB, SNMP, Netzwerk-USV-Server | USB, SNMP, NUT-Server |
| Version | DSM 7.4 | 1.20 |
Die USV-Zeile ist kein Nebenpunkt: Ein Plattenverbund verträgt harte Stromausfälle schlechter als eine einzelne Platte. Wie groß die USV sein muss und wie die geordnete Abschaltung funktioniert, steht in USV richtig dimensionieren.
Unraid oder ZFS: der eigentliche Unterschied
„TrueNAS oder Unraid“ ist die häufigste Frage in diesem Vergleich, und sie entscheidet sich an einem einzigen Punkt: wie die Platten zusammenarbeiten.
Unraid behandelt jede Datenplatte für sich. Eine oder zwei Paritätsplatten sichern das Array gegen Ausfälle ab, und die einzige Bedingung an die Größen lautet: Keine Platte darf größer sein als die kleinste Paritätsplatte. Dafür lassen sich Platten beliebiger Größe mischen und einzeln nachrüsten – der Grund, warum Unraid bei Sammlungen beliebt ist, die über Jahre aus vorhandenen Platten wachsen. Der Preis: Gelesen wird immer von einer Platte, und Prüfsummen über die Daten gibt es im XFS-Array nicht.
ZFS verteilt Daten und Parität über alle Platten eines Verbunds und prüft jeden Block gegen eine Prüfsumme. Das bringt Lesegeschwindigkeit über mehrere Platten und erkennt stille Datenfehler, verlangt aber gleich große Platten – die kleinste bestimmt die Kapazität. Seit TrueNAS 24.10 lässt sich ein RAIDZ-Verbund um einzelne Platten erweitern; die vorhandenen Daten behalten dabei ihr altes Verhältnis von Daten zu Parität.
Die beiden Welten wachsen zusammen: Unraid kann inzwischen selbst ZFS-Pools anlegen, und TrueNAS kann erweitern. Der Unterschied im Ernstfall bleibt: Fallen mehr Platten aus, als die Parität abdeckt, sind bei Unraid die Daten der ausgefallenen Platten verloren, bei ZFS der ganze Pool. Wie viel nutzbare Kapazität jede Variante aus den eigenen Platten macht, rechnet der RAID- und ZFS-Kapazitätsrechner.
Open Source oder Closed Source – was das für deine Daten heißt
Open Source heißt: Der Quellcode ist öffentlich, und die Lizenz erlaubt, ihn zu lesen, zu ändern und weiterzugeben. Bei der GPL, unter der OpenMediaVault und der Kern von TrueNAS stehen, müssen auch veränderte Fassungen offen bleiben, wenn sie weitergegeben werden. Closed Source heißt: Nur der Hersteller kennt den Code, und die Nutzungsbedingungen verbieten meist, ihn zurückzuübersetzen – bei GEAK OS steht das in den Nutzungsbedingungen, bei FygoOS in denen der Website.
Für ein NAS hat das drei praktische Folgen.
Nachprüfbarkeit. Was ein offenes System im Hintergrund tut – welche Verbindungen es aufbaut, was es an den Hersteller meldet –, lässt sich im Code nachlesen. Bei einem geschlossenen System lässt es sich nur von außen beobachten, und die Datenschutzerklärung ist die einzige Auskunft.
Fortbestand. Stellt ein Hersteller sein System ein, ist geschlossene Software am Ende. Das ist nicht theoretisch: Western Digital hat für die älteren Generationen seines NAS-Systems My Cloud OS 3 am 15. April 2022 den Support beendet. Die Geräte bekamen danach weder Sicherheitsupdates noch Fernzugriff, und Western Digital empfahl, sie zu sichern, den Fernzugriff abzuschalten und sie vom Internet zu trennen. Offener Code kann dagegen von anderen weitergeführt werden – er gehört nicht einer Firma allein.
Lizenzbedingungen. Kostenlos heißt nicht frei. GEAK OS darf laut Nutzungsbedingungen nur privat und nicht kommerziell genutzt werden. Für ein NAS in einem Kleinbetrieb ist das ein Ausschlussgrund, unabhängig von der Technik. Die chinesische fnOS-Website beschränkt die kostenlose Nutzung ebenfalls auf Privatnutzer; für FygoOS nennt die Preisseite keine solche Grenze.
Zwei Einschränkungen gehören dazu, damit das Bild stimmt:
- Open Source ist nicht automatisch sicher. Im März 2024 wurde in den veröffentlichten Paketen der Kompressionsbibliothek xz eine Hintertür entdeckt (CVE-2024-3094, Versionen 5.6.0 und 5.6.1). Gefunden hat sie ein Entwickler, dem auffiel, dass SSH-Anmeldungen ungewöhnlich viel Rechenzeit brauchten – möglich war die Analyse, weil der Code öffentlich war. Offenheit verhindert keine Angriffe, sie macht sie auffindbar.
- Closed Source ist nicht automatisch unseriös. Synology und Unraid sind geschlossen und seit Jahren am Markt. Dazwischen gibt es Mischformen: TrueNAS nennt sich selbst „Open Core“ – der Kern ist offen, Unternehmensfunktionen sind kommerziell. Unraid ist proprietär, hat aber einzelne Teile offengelegt. ZimaOS bezeichnet sich als quelloffen, nennt aber keine Lizenz.
Und der wichtigste Punkt, der in dieser Debatte meist untergeht: Für die Rettung der Daten zählt das Format auf der Platte mehr als die Lizenz des Systems. Unraid ist geschlossen, speichert aber in XFS, das jedes Linux liest. Synology ist geschlossen, dokumentiert aber den Weg heraus. Ein offenes Format mit dokumentiertem Weg ist die eigentliche Versicherung – gleich, wie das System darüber lizenziert ist.
Fernzugriff: Wer sitzt in der Leitung?
Fast jedes NAS-System bietet einen bequemen Fernzugriff ohne Router-Einstellungen. Er funktioniert über Server des Herstellers – und die Frage ist, was über diese Server läuft.
Relays sind Branchenstandard, nicht eine Eigenheit einzelner Länder. Synology leitet über QuickConnect als letzte Stufe über eigene Relay-Server, wenn keine direkte Verbindung zustande kommt; die Option lässt sich abschalten. UGREENlink läuft über UGREENs Relay, wenn kein direkter Weg zustande kommt – und der direkte Weg verlangt eine öffentliche IPv6-Adresse und einen weitergeleiteten Port. Wer im Einrichtungsassistenten ein UGREEN-Konto verknüpft, hat UGREENlink damit bereits eingeschaltet. FygoConnect und GEAK Link versuchen zuerst eine direkte Verbindung und weichen sonst auf ihre Relays aus. Bei jedem System lohnt der Blick in die Datenschutzerklärung: wer die Server betreibt, wo sie stehen und welche Gerätedaten dafür gemeldet werden.
Anmeldung und Fernzugriff über die Cloud. HexOS läuft seit Version 1.0 mit einer lokalen Oberfläche auf dem eigenen Server. Über die Server des Herstellers gehen aber weiterhin Anmeldung, Ersteinrichtung, Überwachung und der Zugriff von unterwegs über das gehostete „Command Deck“. Dateiinhalte erreichen diese Server laut Datenschutzerklärung nie; wer das gehostete Command Deck nutzt, schickt aber die Namen der durchstöberten Dateien und Ordner hindurch, gespeichert werden sie laut Hersteller nicht. Verschlüsselt HexOS einen Ordner mit automatisch erzeugtem Schlüssel, liegt dieser beim HexOS-Konto; wer das nicht will, wählt den selbst verwalteten Wiederherstellungsschlüssel.
Ohne Herstellerserver in der Leitung. TrueNAS Connect ist optional, meldet Kennzahlen an den Hersteller und erlaubt Verwaltung nur im Heimnetz oder per VPN – die Befehle laufen direkt zwischen Browser und NAS, nie über Herstellerserver. OpenMediaVault hat gar keinen Herstellerdienst. Bei Unraid stellt die optionale Connect-Funktion „Remote Access“ die Weboberfläche per Portfreigabe oder UPnP direkt ins Internet – die eigene Dokumentation rät stattdessen zur Tailscale-Integration; WireGuard ist ebenfalls eingebaut. Eine von außen erreichbare Verwaltungsoberfläche wird ab der ersten Stunde abgeklopft; wie das aussieht, zeigt Was Bots auf einem neuen Server suchen.
Die robusteste Lösung ist bei jedem System dieselbe: ein eigenes VPN ins Heimnetz, das NAS dahinter in einem eigenen Segment, wie in VLANs im Homelab beschrieben. Dann sitzt niemand in der Leitung, und die Bequemlichkeitsdienste der Hersteller können ausgeschaltet bleiben. Für Dienste, die tatsächlich öffentlich sein sollen, ist ein Reverse Proxy der kontrollierte Weg.
Die Systeme im Einzelnen
TrueNAS Community Edition
Die Marke stammt aus FreeNAS; die heutige Linux-Fassung hieß bis April 2025 TrueNAS SCALE. Die FreeBSD-Variante TrueNAS CORE wird nicht mehr aktiv weiterentwickelt; aktuell ist Version 25.10 auf Linux-Basis, TrueNAS 27 liegt als Testversion vor. Stärken: ZFS mit allem, was dazugehört, eingebaute Replikation und Sicherungsaufgaben, Apps als Docker-Container. Schwächen: Mindestens 8 GB RAM, nur x86_64, und Platten verschiedener Größe verschenken Kapazität. Die Wahl, wenn die Daten wichtiger sind als die Flexibilität.
Unraid
Kommerziell, aber mit Einmallizenz statt Abo: 49 $ für bis zu sechs Laufwerke, 109 $ oder 249 $ ohne Grenze. Bei den beiden günstigeren Stufen gibt es ein Jahr Updates, danach läuft die installierte Version weiter, Updates kosten 36 $ im Jahr. Seit Version 7.3 lässt sich Unraid auch intern installieren, nicht mehr nur vom USB-Stick. Stärken: Platten beliebiger Größe, einzeln lesbar, dazu Docker und VMs. Schwächen: keine eingebaute Sicherung der Nutzerdaten, Snapshots nur mit ZFS oder Btrfs und ohne Verwaltung in der Oberfläche, Docker ohne Compose ab Werk.
OpenMediaVault
Das schlankeste System im Vergleich und das einzige der etablierten, das auch auf ARM64 läuft. OpenMediaVault 8 basiert auf Debian 13 und ist seit Dezember 2025 stabil; vieles, was andere eingebaut haben, kommt hier als Plugin – Software-RAID, Docker Compose, VMs, ZFS. Das macht es leicht und flexibel, verlangt aber etwas mehr Bereitschaft, sich mit Debian auszukennen.
ZimaOS
Vom Hersteller der ZimaBoard- und ZimaCube-Geräte, für x86-Hardware frei installierbar. Bis vier Laufwerke und drei Nutzer kostenlos, darüber 29 $ einmalig. Die Oberfläche ist einsteigerfreundlich, der App-Store groß. Für den Maßstab dieses Artikels fehlt eine dokumentierte Rettung ohne das System, und NFS sowie iSCSI gibt es nur über die Kommandozeile.
HexOS
Eine vereinfachte Oberfläche auf TrueNAS, seit April 2026 in Version 1.0. Der Vorteil: Darunter läuft ein vollwertiges TrueNAS mit ZFS; ein nicht an ein HexOS-Konto gebundener Server ist laut Hersteller „still a fully working TrueNAS system“. Der Nachteil: Anmeldung, Ersteinrichtung und Fernzugriff laufen über Server des Herstellers, und der Preis von 199 $ steigt am 1. Dezember 2026 auf 299 $ je Server.
Neu aus China: FygoOS und GEAK OS
Zwei Systeme, die zuletzt Aufmerksamkeit bekommen haben. Die Herkunft allein ist kein Argument – Relays und Hersteller-Clouds nutzen, wie oben gezeigt, auch Synology und UGREEN. Entscheidend sind dieselben Fragen wie bei allen anderen, und die Antworten fallen bei beiden dünn aus.
FygoOS gleicht fnOS, das in China verbreitet ist: Die Hilfeseiten sind weitgehend identisch, und der fnOS-Hersteller aus Guangzhou hat eine kostenpflichtige internationale Ausgabe angekündigt. Betreiber von FygoOS ist laut Nutzungsbedingungen der Website die AXISSTORE TECHNOLOGY PTE. LTD. in Singapur; deren Datenschutzerklärung nennt Rechenzentren in Singapur, gilt aber nur für die Website – für das Produkt verweist sie auf eine eigene Erklärung. Das System basiert auf Debian, ist geschlossen und kostet über vier Laufwerke oder drei Nutzer hinaus Geld. Der Fernzugriff FygoConnect braucht ein Konto und weicht auf ein gedrosseltes Relay über Fygo-Server aus, wenn keine direkte Verbindung möglich ist. Eine Rettung der Daten ohne das System ist nicht dokumentiert.
GEAK OS ist noch eine öffentliche Preview. Die internationalen Nutzungsbedingungen nennen als Betreiber eine YOM LIMITED und als Kontakt nur eine E-Mail-Adresse; sie unterliegen dem Recht des Bundesstaats New York. Die chinesische Fassung der Nutzungsbedingungen nennt als Betreiber eine Gesellschaft in Shanghai. Nutzerdaten liegen laut Datenschutzerklärung in den USA, bei „Tencent Cloud (Virginia) or a similar cloud service provider“. Die Lizenz erlaubt nur private, nicht kommerzielle Nutzung. Der Fernzugriff GEAK Link braucht ein Konto und ist im kostenlosen Tarif nur zwei Monate als Test enthalten; die regelmäßige Update-Abfrage beim Hersteller lässt sich laut der eigenen „Privacy & Security FAQ“ derzeit nicht abschalten. Die Entwicklung ist sichtbar aktiv – Version 1.0.22 brachte etwa eigene Freigabeordner für SMB, WebDAV und FTP –, eine Rettung ohne das System ist nicht dokumentiert.
Offenlegung: Der Hersteller von GEAK OS hat safedata.at im Oktober 2026 auf das System aufmerksam gemacht und einen Test angeregt. Es gab dafür weder Bezahlung noch eine Vereinbarung über Inhalt oder Veröffentlichung. Ein Test hat nicht stattgefunden; die Angaben stammen wie bei allen Systemen aus der Herstellerdokumentation.
Beide Systeme sind für einen Versuch auf einem Testgerät geeignet, auf dem nichts liegt, was es nur dort gibt. Als Ablage für die einzige Kopie wichtiger Daten erfüllen sie den Maßstab dieses Artikels derzeit nicht – nicht wegen ihrer Herkunft, sondern weil Quellcode und Rettungsweg zu wenig offengelegt sind, bei GEAK OS auch die Angaben zum Betreiber.
Häufige Fragen
Welches NAS-Betriebssystem ist kostenlos? TrueNAS Community Edition und OpenMediaVault sind vollständig kostenlos. ZimaOS, FygoOS und GEAK OS haben kostenlose Tarife mit Grenzen bei Laufwerken, Nutzern oder Funktionen. Unraid und HexOS kosten eine Lizenz.
TrueNAS oder Unraid? TrueNAS, wenn die Unversehrtheit der Daten im Vordergrund steht: ZFS prüft jeden Block, Replikation und Snapshots sind eingebaut. Unraid, wenn vorhandene Platten verschiedener Größe genutzt und nach und nach ergänzt werden sollen. Beide lassen die Daten ohne das System lesbar.
TrueNAS oder OpenMediaVault? TrueNAS bringt mehr mit und verlangt mehr Hardware – mindestens 8 GB RAM, nur x86_64. OpenMediaVault läuft auch auf kleinen und ARM64-Geräten und erweitert sich über Plugins. Wer ZFS will, ist bei TrueNAS besser aufgehoben; bei OpenMediaVault kommt es nur über ein Drittanbieter-Plugin.
Läuft ein NAS-Betriebssystem auf dem Raspberry Pi? Von den etablierten nur OpenMediaVault, das ARM64 unterstützt. TrueNAS, Unraid und GEAK OS laufen nur auf x86_64; FygoOS gibt es für ARM als Beta.
Sind NAS-Systeme aus China unsicher? Die Herkunft allein sagt darüber wenig. Die Fragen, die zählen, gelten für jedes System: Ist der Code einsehbar, wer betreibt die Server für den Fernzugriff, lässt sich das abschalten, und kommen die Daten ohne das System wieder heraus? FygoOS und GEAK OS beantworten sie derzeit schlechter als die etablierten Systeme.
Brauche ich überhaupt ein NAS-System, wenn Proxmox läuft? Nicht unbedingt. Wer ohnehin virtualisiert, kann die Platten im Hypervisor verwalten und die Freigaben als Dienst in einem Container betreiben – die Abwägung steht in VM oder LXC-Container. Ein NAS-System lohnt sich, wenn die Ablage ein eigenes Gerät sein soll, das auch ohne den Hypervisor läuft.
Weiter
- NAS selber bauen oder kaufen – die Entscheidung vor der Systemwahl
- RAID- und ZFS-Kapazitätsrechner – was aus den eigenen Platten nutzbar bleibt
- USV richtig dimensionieren – die geordnete Abschaltung, die jeder Plattenverbund braucht
- 3-2-1-Backup-Strategie – warum das NAS allein keine Sicherung ist
- Restore testen – der Beweis, dass der Weg zurück funktioniert
- VLANs im Homelab – das NAS in ein eigenes Segment